Prost - Mahlzeit. Essen und Trinken im Neuen Testament


Das ist mein Leib??



Ein evangelischer Streit

Was oft nur noch kirchliche Insider wissen: In der Reformationszeit gab es einen heftigen Streit darum, wie die Worte "Das ist mein Leib" zu verstehen seien. Das ging so weit, dass daraus verschiedene Kirchen entstanden: die lutherische und die reformierte Kirche.

Eine berechtigte Frage

Kein WeinZu Beginn der Reformation tauchten diese Probleme noch nicht auf. Zunächst war man sich einig: Die bisherige Form des Abendmahls wurde der biblischen Feier nicht gerecht. Denn im Mittelalter wurde das Abendmahl so gefeiert, dass die Gemeinde nur Brot, aber keinen Wein bekam. Die Gefahr, dass dabei etwas vom Blut Christi verschüttet werden könnte, wurde als zu groß angesehen. Ebenso hatte man begonnen, den im Abendmahl verwendeten Wein und das Brot außerhalb der Abendmahlsfeier wie Christus zu verehren und anzubeten - in "Tabernakeln" (lat.: tabernaculum = Wohnung, Bleibe; vgl. Exodus 26,1).Abendmahl ohne Gemeinde

Schließlich wurde das Abendmahl manchmal auch ganz ohne Beteiligung der Gemeinde gehalten - der Priester konnte das Abendmahl auch mit sich alleine feiern. Das war dadurch möglich, dass man das Abendmahl nicht als Fest der versammelten Gemeinde, sondern als eine Opferleistung der Kirche an Gott verstand. Zum Opfer braucht man aber keine Gemeinde, sondern nur einen Priester.

Nicht ohne die Gemeinde

Demgegenüber betonten die Reformatoren von Anfang an: Im Abendmahl bringt nicht die Kirche (oder die Feiernden) Gott eine Leistung dar, sondern Christus schenkt sich selbst der Gemeinde. Und deshalb ist das Abendmahl auch keine Privat-Angelegenheit für Priester, sondern ein Fest der ganzen Gemeinde. Wo man die Reformation einführte, bestand die erste Reform oft darin, dass die Gemeinde im Abendmahl Brot und Wein erhielt.

Ulrich Zwingli Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli ging dabei so weit, dass er die Abendmahlsworte "Dies ist mein Leib" nur noch rein symbolisch interpretierte. Wie sollte Jesus in Brot und Wein empfangen werden? Das Brot im Abendmahl bleibt Brot und schmeckt wie Brot. Er vertrat deshalb die Auffassung, im Abendmahl schenke sich nicht der auferstandene Christus der Gemeinde, sondern die Gemeinde bekenne sich darin zu Christus. Der eigentlich Handelnde im Abendmahl war damit nicht mehr Christus, sondern die Gemeinde.

Nicht ohne Christus

Martin Luther Dagegen erhob Martin Luther scharfen Einspruch - mit Berufung auf die Abendmahlstexte. Gottes Wort verdient Vertrauen: Christus lügt nicht, wenn er sagt: "Das ist mein Leib", hielt Luther Zwingli entgegen. Das Brot im Abendmahl bleibt Brot und schmeckt wie Brot. Und dennoch ist es gleichzeitig Leib Christi. Wie aber sollte man das zusammen bringen?

Luther machte darauf aufmerksam, dass es sich dabei um das gleiche Problem wie bei der Frage nach der Einheit von Gottheit und Menschheit in Jesus Christus handelte. So wie Jesu Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich bekannt wurde, hielt Luther daran fest, dass im Abendmahl wahres Brot und wahrer Leib zugleich gegenwärtig seien - ohne dass man je würde sagen können, wie das konkret zustande kommen sollte. Deshalb ist das Abendmahl ja ein "Sakrament", ein Geheimnis (lat.: sacramentum; griech.: mysterion), das einem nur Gott aufdecken kann, und kein Rätsel, das der menschliche Verstand lösen oder erraten könnte.

Die Leuenberger Konkordie von 1973

Obwohl Zwingli seine Position später mäßigte, führten diese (und auch andere) Unterschiede zur Spaltung der evangelischen Bewegung in "Lutheraner" und "Reformierte". Im 19. Jahrhundert versuchte man eine Einigung: Nicht zuletzt auf Drängen der Preußischen Regierung entstand die "Evangelische Kirche der Union".

 

   Die Leuenberger Konkordie
 
Da damit aber lange nicht alle - und zwar auf beiden Seiten - einverstanden waren, gab es nun statt zwei sogar drei verschiedene evangelische Kirchengemeinschaften: Unierte, Reformierte und Lutheraner.

Aber man gab nicht auf. Und so kam es schließlich am 16. März 1973 zur Unterzeichnung der "Leuenberger Konkordie" (Konkordie = Übereinstimmung) zwischen Unierten, Reformierten, Lutheranern und weiteren evangelischen Kirchen, die u.a. festhielt, wie in diesen Kirchen das Abendmahl verstanden wird. Seither können die Mitglieder dieser Kirchen endlich wieder gemeinsame Gottesdienste samt Abendmahl feiern und so als "ein Leib" bezeugen, was der Welt in Jesus Christus geschenkt wurde.


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